Das neue Java-Lizenzmodell – und was SyroCon für seine Kunden tun kann

(Kommentare: 1)

12 Millionen Nutzer und nur eine Frage: Welcher Java-Support von SyroCon passt zu mir?
12 Millionen Nutzer und nur eine Frage: Welcher Java-Support von SyroCon passt zu mir?

Wird Java jetzt kostenpflichtig? – Diese Frage geisterte in letzter Zeit vielerorts durch die IT-Presse, selbst Heise Online ließ sich zu solch einer reißerischen Überschrift hinreißen¹. Leider führte das nicht nur zu großem Aufschrei in der Leserschaft und dem üblichen Java-Bullying in Kommentaren, sondern verunsicherte vor allem die Nutzer von Java – und Oracle spricht hier immerhin von 12 Millionen Entwicklern, 15 Milliarden Devices und 21 Milliarden cloud-connected VMs². Gerade weil Java in der Welt der Business Applications so omnipräsent ist, hätte eine plötzliche Kostenpflichtigkeit der produktiven Umgebungen eine Auswirkung von geradezu epischen Ausmaßen.

Die tatsächlichen Informationen zum neuen Lizenzmodell findet man recht gut versteckt bei Oracle unter den Java SE General FAQs³:
„The current version of Java ¬ Java SE 9 as well as Java SE 8 ¬ is free and available for redistribution for general purpose computing. Java SE continues to be available under the Oracle Binary Code License (BCL) free of charge. JRE use for embedded devices or use of commercial features may require a license fee from Oracle.“

Die aktuelle Version ist zwar nicht mehr 9, aber es heißt „free of charge“ (und die BCL ist salopp formuliert dafür da, Oracle vor Klagen zu schützen, wenn man Java einsetzt), eingeschränkt lediglich bei Embedded Devices und der Nutzung von kommerziellen Features; aber das ist schon lange so.
Bezüglich der ganz aktuellen Version vom September 2019 heißt es dann weiter in der Oracle Java SE Support Roadmap4:

„Oracle is working to make the Oracle JDK and OpenJDK builds from Oracle interchangeable - targeting developers and organizations that do not want commercial support or enterprise management tools. Beginning with Oracle Java SE 11 (18.9 LTS), the Oracle JDK will continue to be available royalty-free for development, testing, prototyping or demonstrating purposes.“

Kleine Pakete statt Major-Versionen

Das Ganze spielt zusammen mit dem neuen Release-Modell von Java: Statt Major-Versionen, zwischen denen oft viele Jahre lagen und die teilweise große Änderungen mit sich brachten, gibt es jetzt streng getaktet alle sechs Monate ein neues Release – angefangen mit Java 9 im September 2017, über Java 10 im März 2018 bis zu Java 11 im September 2018, das erstmals ein Long-Term-Support-Release (LTS) wurde. Die Java-Releases gibt es dabei in zwei Formen – als kommerzielle Variante von Oracle oder als Open-Source-Variante im Rahmen des OpenJDK5. Erstere darf produktiv nur mit Support-Vertrag eingesetzt werden, letztere ist frei im Einsatz. Bestehende Software älterer Versionen dürfen auch weiterhin produktiv eingesetzt werden, bekommen aber keine Updates mehr.

Dieses Vorgehen ist auch aus anderen Bereichen bekannt, zum Beispiel aus der Linux-Welt. CentOS beispielsweise ist die Open-Source-Variante des RedHat Enterprise Linux, für dessen produktiven Einsatz ein Supportvertrag bei RedHat erforderlich ist. In beiden Varianten gibt es Updates und Patches, bei ersterer muss man sich allerdings selbst darum kümmern und im Problemfall nach Lösungen suchen, bei letzterer bekommt man dagegen alle Patches durch RedHat und kann im Problemfall den Support kontaktieren. Genau das ist nun auch bei Java der Fall: Man kann es kostenlos nutzen und betreiben und muss sich selbst um Updates und Probleme kümmern – oder man nutzt den kostenpflichtigen Support von Oracle.

Für die Java-Community wurde dies im Übrigen sehr schön von einer Reihe von Java Champions in gemeinschaftlicher Arbeit mit dem Titel „Java Is Still Free“6 erklärt.

Java für SyroCon-Kunden – von einfachen Updates bis zur kontinuierlichen Pflege

Was heißt das aber nun für unsere Kunden, die bei SyroCon Software entwickeln und betreiben lassen? Ganz einfach: Unsere Kunden können genau diese Aufgabe der Sicherstellung von aktuellen und sicheren Umgebungen im Rahmen eines Supportvertrages an uns abtreten. Je nach Bedarf kann das von den wichtigsten Security Updates im Betriebssystem bis hin zur kontinuierlichen Pflege der entwickelten Software und ihrer Laufzeitumgebung und genutzten Frameworks gehen. Und gerade bei Java kommt uns hier das neue Modell der schnellen Releases entgegen, da ein Umstieg auf die nächste Java-Version nun nicht mehr vermieden wird, aus Angst, dass die Änderungen zu groß und die Software dann nicht mehr lauffähig wäre, sondern ein natürlicher Vorgang ist, genau wie die Updates eines Betriebssystems.

 
Zusammengefasst:
  • Java selbst ist und bleibt frei, für die Entwicklung – auch das Oracle JDK in allen Versionen
  • Ab Januar enden die kommerziellen Public Updates für Java 8; Java 9 und 10 sind dann bereits beendet
  • Ab Version 11 erfordert ein produktiver Einsatz des Oracle JDKs einen Supportvertrag mit Oracle
  • Uneingeschränkt und auch für produktiven Einsatz kann das gleichwertige OpenJDK benutzt werden
  • Beim OpenJDK gibt es auch Public Updates – für Java 11 über 3 Jahre
  • SyroCon übernimmt für seine Kunden das Update-Management produktiver Software

 

1 https://www.heise.de/developer/artikel/Wird-Java-jetzt-kostenpflichtig-4144533.html
2 http://oracle.com.edgesuite.net/timeline/java/
3 https://www.oracle.com/technetwork/java/javase/overview/faqs-jsp-136696.html
4 https://www.oracle.com/technetwork/java/javase/eol-135779.html
5 http://openjdk.java.net/
6 https://itnext.io/java-is-still-free-c02aef8c9e04

 

Autor:

Alexander Rühl
Competence Lead Java Enterprise

 

Bildrechte: © amenic181

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Kommentare

Kommentar von Dietmar Rühl |

Klingt sehr kompetent.
Und Eure Kunden können sich beruhigt zurücklehnen.

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